Die Deutschen

Geographie eines Verlustes |  Jakuba Katalpa

Der „Tschechische Roman des Jahres 2013“ (Cena Česká kniha) der jungen tschechischen Autorin Jakuba Katalpa nun auch in deutscher Sprache. Der mehrfach ausgezeichnete Titel, ursprünglich erschienen im Brünner HOST-Verlag, wurde bereits ins Slowenische, Bulgarische und Mazedonische übersetzt. Dabei dürfte er für das deutsche Publikum besonders interessant sein, geht es doch um eine deutsch-tschechische Familiensaga:

Als die in alle Welt zerstreuten Kinder Konrad Mahlers um das Jahr 2000 zur Beerdigung ihres Vaters in ihre tschechische Heimat nach Prag zurückkehren, stellt sich plötzlich die Frage nach „den Deutschen“. Da hatte es doch diese deutsche „Großmutter“ gegeben, die immer Päckchen schickte. Die leibliche Mutter des Verstorbenen. Seine Tochter begibt sich nun auf die Suche nach dem verborgenen Teil ihrer Familiengeschichte und versucht, die damit verbundenen Traumata zu begreifen. Warum hat diese Klara Rissmann damals nach Kriegsende ihr Kind in Prag zurückgelassen?

Die Lebensgeschichte der jungen Klara, die sich als Lehrerin während des Zweiten Weltkrieges in die annektierten Sudetengebiete versetzen lässt, ist verwoben mit den menschlichen Schicksalen dieser gewalttätigen Epoche. Es ist eine Geschichte des Verlusts für alle Beteiligten – unabhängig davon, auf welcher Seite sie stehen. Einigen wird ihr Leben genommen, andere geben es gar freiwillig, um nicht den Verlust der Heimat erleiden zu müssen. Wer überlebt, steht vor der Aufgabe, sich trotz der erlittenen Wunden ein neues Leben aufzubauen. Klara erweist sich darin als außergewöhnlich starke Persönlichkeit. Doch die Fragen ihrer Enkelin lassen sich letztlich nicht alle beantworten.

Leseprobe:
Die Deutschen

 

Auszeichnungen:

  • Kandidat für die HOTLIST 2016 – Die besten Bücher aus unabhängigen Verlagen
  • Nominierung für den Georg-Dehio-Buchpreis 2016
  • Hamburger Übersetzerpreis 2015 für Doris Kouba
  • Nominierung für den tschechischen Literaturpreis „Magnesia Litera“ 2013
  • Tschechisches Buch des Jahres 2013 („Cena Ceská kniha“) in der Sparte Prosa
  • Josef-Škvorecký-Preis 2013 („Cena Josefa Škvoreckého“)

aus dem Tschechischen von Doris Kouba, Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen,

420 Seiten, 21 x 12,8 cm, BALAENA Verlag Landsberg am Lech 2015

ISBN 978-3-9812661-7-7

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Stimmen zum Buch

  1. „… Der Romanstil zeigt manche Merkmale heutiger Exilliteratur, die zugleich als Merkmale des postmodernen Schreibstils gelten – eine lakonische, nüchterne Sprache, fragmentarische Sätze, ein Sinn für Ironie und das Groteske, das fast paradoxe Nebeneinander von Banalem und Tragischem und eine Derbheit bei der Beschreibung von Sex und Tod. Die Lektüre führt auf eine spannende ‚Achterbahn‘ mit Höhen und Tiefen, abrupten Wendungen, erweckten Hoffnungen und ernüchternden Enttäuschungen…“
    Der Ackermann, März 2016 [zum ganzen Artikel]

  2. „… Der Vater ist tot und wird gerade eingeäschert. Er war Tscheche. Seine Mutter war eine Tschechin. Die ist auch tot. Vaters Mutter war aber eine Deutsche. Die lebt noch. Lebt die noch?
    Mit diesem Verwirrspiel beginnt die junge tschechische Autorin Jakuba Katalpa (Pseudonym für: Tereza Jandová) ihren Roman ‚Die Deutschen’…“
    Südwestpresse, Februar 2016 [zum ganzen Artikel]

  3. „… Denn Katalpa, geboren 1979 in Pilsen, macht genau diesen Blick auf die Dinge zum Gegenstand ihres Romans. Sie beschäftigt sich mit den deutsch-tschechischen Beziehungen im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Aber statt wie viele vor ihr zu fragen, was passiert ist, wer schuldig war und wer Opfer, beschäftigt sie sich mit der Unmöglichkeit, diese Fragen zu beantworten…
    …Stattdessen bleibt der Erzählerin und ihrer Stieftante nur die Erkenntnis, dass jede ihre eigenen Erinnerungen hat – und ein Satz, von dem man sich wünscht, dass ihn sich viele zu Herzen nehmen: ‚Das, was jetzt von Belang ist, liegt nicht in der Vergangenheit.’…“
    Prager Zeitung, Dezember 2015 [zum ganzen Artikel]

  4. Über die tschechische Originalausgabe: „… Selten wurde dieser oft bearbeitete Stoff der Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen, inmitten von Krieg und Diktatur im Europa des letzten Jahrhunderts mit einem solchen Gespür für die persönliche Geschichte präsentiert, die hier nicht nur als Abriss erscheint, um die Historie zu beschreiben, sondern als glaubwürdige und große Chronik…“
    Klára Kubičková, MF Dnes

  5. Über die tschechische Originalausgabe: „… Die miteinander verwobenen Schicksale, die vortrefflich gezeichnete Charakteristik aller Figuren, die glänzend aufgebaute Handlung, die geschliffene Sprache – das sind die Hauptmerkmale, die den Roman „Die Deutschen“ zum Juwel der tschechischen Literatur des vergangenen Jahres machen…“
    PhDr Jana Semelková, kultura21.cz

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